Hg. Gustav Mechlenburg, Nora Sdun, Christoph Steinegger,


Kultur & Gespenster, Unter dem Radar

Kultur und Gespenster Bd. 20


Ein Magazin zu alternativen Publikationsformen seit den 1960er Jahren und zur Ästhetik der Underground-Presse in analogen wie digitalen Zeiten. Über Kunst und linke Gegenöffentlichkeit, literarische Wunscherfüllung, dissidente Publikationsmodelle, Einkaufszettel, Wut- und Liebesbriefe. Es wird insgesamt viel Gewese gemacht um Magazine, oder anders: Die absonderliche Verehrung publizistischer Experimente steht in krassem Gegensatz zum heutigen Mainstreamkack auf diesem Gebiet – also, gründet Verlage und Magazine, es ist ganz einfach! Oder wie Jörg Fauser schrieb: »Hör mal, wir überlegen uns gerade, ob wir nicht eine Zeitung machen sollen. Das Ding hier soll nämlich ganz groß aufblühen, verstehst du – Underground, Gegenkultur. Wenn du Interesse hast, dabei mitzumachen, komm morgen Nachmittag vorbei.«

Die Herangehensweisen sind divers: Fundstücke sammeln, fremdes Material kommentieren, Gruppenarbeit, klassische Berichterstattung ... Egal wie, immer wird auch um die ideologische Ausrichtung gestritten. Wofür man z.B. »struggle sessions« abhalten kann, die dann wiederum zur Veröffentlichung gebracht werden. Verbreitet ist der Glaube, mit Magazinen an einer irgendwie gearteten Umwälzung mitwirken zu können, immer flankiert von Leuten, die es für einen schwerwiegenden Fehler halten, die Kulturwelt mit der »realen« Welt zu verwechseln. Natürlich gerät man sich deshalb dauernd in die Haare.

Eine nicht ganz uninteressante Funktion publizistischer Zusammenschlüsse, damit Geld zu verdienen, ist in den meisten Fällen nicht gegeben, was die Beteiligten aber nicht davon abhält, die eingebildeten Kiesauffahrten ihrer intellektuellen Großbaustellen mit imaginären Gipslöwen und allerlei wichtigtuerischem Schmuck zu verzieren. Man kann sich Magazine eben auch als Gebäude vorstellen, weshalb in dieser Ausgabe außerdem eine Reihe von Texten zu architektonischen Phänomenen veröffentlicht sind.

Inhalt

DIE LUST UND DIE NOTWENDIGKEIT

 

Underground. Über schillernde Begriffe seit den 60er Jahren. »Underground« als Soziotop oder Labor, in dem mit der Erweiterung oder Rückeroberung von Wirklichkeit experimentiert wird, in einer Nische in einer Welt am Abgrund
Jan-Frederik Bandel

 

»Poetische Landschaften – Jaecki & Tommy am Mauerpark, Sommer 1998«
Thomas Baldischwyler

 

Das Projekt CopyShop, Kunst und linke Gegenöffentlichkeit um 1990. Kunstzeitschriften, alternative Kommunikationsstrukturen, publizistische Kontexte
Lucie Kolb & Philipp Messner

 

Alternative Republik Tumult
Moritz Neuffer, Philipp Goll & Morten Paul

 

»Join the postal tribe« – einige Anmerkungen zur Ästhetik der Underground-Presse
Anja Schwanhäußer

 

On Coot’s Feed (Bildstrecke)
Andrea Tippel & Dieter Roth:

 

»Dear Head Evergreen«: Auf Blesshuhnfüßen zwischen Andrea Tippel und Dieter Roth
Marc Schulz

 

»Art World Noise« und »Struggle Sessions«, die kurze und heftige Geschichte der amerikanischen Künstlerzeitschrift The Fox (1975–1976)
Elias Wagner

 

Über das amerikanische »Found Magazine« Einkaufszettel, Schulaufsätze, Notizen, Liebesbriefe
Moritz Ege

 

Up to Eleven! – Pop-Presse von irgendwo Mitte der 1960er bis irgendwann jetzt. 50 Jahre, 11 Hefte, alle Hits
Arne Hartwig

 

 

DAS GESETZ DES HERZENS UND DER WAHNSINN DES EIGENDÜNKELS

 

Dysfunktionale Habitate. Eigensinnige Hausbauprojekte auf dem Balkan und in Südosteuropa
Marko Mijatovic

 

Künstlich, kitschig-klebrig, grellfarbig, undurchsichtig – »Italian Dream Soda«, ein Getränk wie das amerikanische Antikenbild – die Getty Villa
Nina Lucia Groß & Raphael Dillhof

 

»Veddel vergolden«. Kunst am Bau im Hamburger Stadtteil Veddel, goldene Fassaden oder goldene Möwen – über Partizipation und Kunsthasser. »Ey, Maler, du Arschloch!«                                                                                                                                                                                                                                                    Dagrun Hintze

 

HafenCity, hübsch & banal. Eine idyllische Abkehr vom Urbanismus. In diesen Häusern wohnt niemand, in diesen Straßen lebt niemand. Die Menschen fungieren als Schauspieler in den Rollen »Bewohner«, »Angestellter« oder »Tourist«
Roger Behrens

 

 

DIE TUGEND UND DER WELTLAUF

 

Der Duchamp-Kuchen: »You can have a cake and eat it!«. 30 Jahre Kuchen im Eisfach
Jens Kiefer

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Kultur & Gespenster, Unter dem Radar

Kultur und Gespenster Bd. 20

20

Hg. Gustav Mechlenburg, Nora Sdun, Christoph Steinegger,

296 Seiten

16,00 Euro

Broschur

Design: Christoph Steinegger

Ma├če: 23,0 x 16,5 cm

ISBN: 978-3-941613-98-0

Hamburg 2019


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