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8. Dezember 2021

Zwei Wochen lang heftige Reaktion auf den Booster. Jetzt ist es besser. - Gott, könnte ich Kohle machen als Märtyrer der Schwurbel-Bewegung.

Übrigens: Sich steigernde Affektausbrüche auf jener Seite der Barrikade legitimieren nicht die Steigerung der Affektausbrüche auf dieser Seite der Barrikade. (dl)
2. Dezember 2021

Oha, heute auf Zeit online: Immer mehr Deutsche verlieren Anschluss an Mittelschicht. Lustige Überschrift. Lustige Welt.

Ergänzen möchte ich noch diese Neuigkeit von Spiegel online: Plan der Ampelkoalition: Familien sollen 2000 Euro Zuschuss für Haushalthilfe erhalten

Arbeitsminister Hubertus Heil hat finanzielle Unterstützung für Familien angekündigt, die Haushalts- und Alltagshelfer beschäftigen. Ein Gutscheinsystem soll zugleich Schwarzarbeit unterbinden.

Alles sehr deutsch. Das Streben nach Mittelschicht und dann noch diese Idee, Familien 2000€ Zuschuss für Haushaltshilfe durch Gutscheine zu ermöglichen. Hauptsache die Gardinen sind gewaschen, die Fenster geputzt und der Boden gewienert. "Nach Heils Modell teilen sich Staat und Familie die Kosten für die Alltagshelfer: »40 Prozent werden durch den Zuschuss bezahlt, 60 Prozent von den Bürgern selbst.« Die Abrechnung soll mittels einer App geregelt werden, über die zertifizierte Firmen ihre Dienstleistungen anbieten können.“ Hubertus Heil checkt einfach GAR NICHTS. Menschen, die sich bisher keine Haushaltshilfe leisten konnten, werden es auch dann nicht können. Abrechnung per App – für manche nicht verständlich.

Was wirklich hilft – 2000 Euro direkt aufs Konto. Und nicht „Bedürftige Familien und Familien mit kleinem Einkommen erhalten im Monat August 2021 als zusätzliche Unterstützung in der Corona-Pandemie einen einmaligen Zuschlag in Höhe von 100 Euro.“

2000€ für eine glänzende Wohnung von Menschen, die sich eine Haushaltshilfe leisten können – prima. 100€ für arme Menschen – prima. Das ist fürchterlich. Wohin mit meiner Wut jetzt? 

Ich will nichts mit der Mittelschicht zu tun haben.  Wahrscheinlich gehöre ich auch noch zur Mittelschicht. Fickt euch doch.

Übrigens, der Milkaschokokalender ist jetzt unter der Pappe noch mit Alufolie verpackt. (js)

30. November 2021

Der Nachbarlandkreis von Hornwachte, in dem meine Eltern oft unterwegs sind, klettert über die 1000er-Marke. Ich kotze. Ich rufe meine Mutter an und bitte sie, vorsichtig zu sein. Ihr Booster-Termin wurde von Mitte Januar auf Anfang Dezember vorverlegt. Sie wurde gefragt, ob sie Moderna nehmen würde und sagte ja. Sie hat dann einmal die ganze Palette durch: AstraZeneca, BioNTech und Moderna.

Letzte Woche war sie bei meiner Tante, damit sie ihr die Haare eindreht. Es kam eine Nachricht von meiner Cousine: «Wir haben es jetzt geschafft.» Meine Tante schrieb zurück: «Was habt ihr geschafft?» Na was wohl? Die Impfung! Sie, aber vor allem ihr Mann, hatten sich standhaft geweigert und die immer gleichen, dummen Gegenargumente aufgefahren. Bis meine andere Tante anfing zu schreien: «Ja, so sind sie!» Und in ironischem Ton: «Ihr wählt bestimmt grün, oder?!» Es gab eine Untersuchung ihres Mannes bei der Arbeit, meine Mutter wusste mal wieder nicht so genau was, und danach haben sie sich impfen lassen. Also gut, ist das endlich abgeräumt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr absichtlich nicht zum Geburtstag gratuliert hatte und mir dachte, dass das vielleicht kontraproduktiv war. Vielleicht war so ein bisschen ignorante Ausgrenzung aber gar nicht so schlecht. Vermutlich war ihr einfach komplett egal, ob ich gratuliere oder nicht. Das sind doch mal gute Neuigkeiten und ich bekomme gute Laune, auch wenn ihre Impfung für diese Welle nicht mehr relevant ist.
Fehlt noch die andere Cousine – ob die einknickt? Sie ist eher agitatorisch unterwegs. Wenn ich mich aufregen will, gehe ich auf ihr Facebook-Profil, das ich stumm gestellt habe. «Ich bin gesund und darf nicht benachteiligt werden!» Vor Corona war es ihr Tierrechtsaktivismus, der mir geschredderte Tierchen oder Schlachthöfe präsentierte. Danach folgte ihr Ruf nach dem starken – meist deutschen – Mann, der die – natürlich schwache – Frau egal welcher Nationalität – und ihre Kinder zu verteidigen hat und sich nicht weiterhin verweichlichen lassen soll. Unterhaltsames oder Leichtes hat sie nie zu bieten, dabei ist sie von den Eltern finanziell bestens ausgestattet und kann entspannt auf ihr Millionenerbe warten. Und nebenbei Unfug machen und Verwirrung verbreiten. Wie bekomme ich raus, ob sie mittlerweile geimpft ist? Und ob ich mich bereits jetzt für ihre negative Charakterisierung schämen muss?

Ich habe zwar keine Lust am Wochenende zuhause zu bleiben, aber ich sage trotzdem alles ab. Eine Freundin ist bei einer Theaterproduktion dabei, mit «Angst» und «Nähe» im Titel. Bitte nicht! Nicht jetzt und vermutlich auch nicht später. Fühle mich schlecht nach der Absagemail und möchte den Kopf zwischen die Beine stecken. Das ist gerade meine bevorzugte Haltung. (pp)

 

24. November 2021

(Berlin) Am Sonntag wurden die Fädchen vernäht; von W., wie angekündigt. Ich saß daneben und fing mit einem roten Mohairtuch für ihn an. Ein besonders aufwendiges Muster, von dem man wegen des flusigen Mohairs gar nicht so viel sieht. Aber es soll so sein und es macht mehr Spaß als nur Stäbchen (D), Treble Crochet (UK) bzw. Double Crochet (USA) in verschiedenen Mengen zu häkeln, bis die letzte Runde laut Anleitung über 3 Meter lang ist, wie beim Poncho. Wir schauen nebenbei «Seinfeld», aber verstehen den Humor nicht. Ich hatte mal gelesen, es sei eine «Serie über nichts». Später läuft nebenbei «Grace & Frankie», das hatte ich lustiger in Erinnerung. Immerhin lachte Willi ein paar Mal, ich habe ja die erste Staffel schon gesehen.

Zwischen der Wollextravaganza waren wir kurz im Hallenbad. Neben dem Hallenbad wurde über das Freibad eine Traglufthalle gebaut, aber leider ist die am Wochenende gar nicht offen. In der Dusche zieht sich so gut wie niemand ganz aus – langweilig. Wir gehen nach einer Stunde schon wieder.

Ab morgen gilt bei der Arbeit 3G. Wir werden von der Security der Immobilie auf unsere Impfungen geprüft. Die Ungeimpften brauchen einen Nachweis vom Coronatestzelt. Ob ich das gut finde, gerade die an solche Orte zu schicken, wo sich sich um so eher gegenseitig anstecken können? Die beiden Weihnachtsfeiern fallen aus. Es werden Alternativen gesucht. Ob ich einen Online-Häkelkurs anbiete?

Ich habe einen Ruheraum entdeckt, der nicht in der Buchungsliste steht. Ich trage mich für jeden Tag ein, ich habe jetzt also quasi ein Einzelbüro. Ich bin heute den zweiten Tag hier und merke, dass ich mich erst daran gewöhnen muss. Gut ist schon mal, dass ich für Konferenzen nicht in eine Kabine rennen muss. Heute war zum Glück das Licht an – am ersten Tag habe ich den Lichtschalter nicht gefunden und saß die ganze Zeit im Halbdunkel. Ich habe jetzt wieder ein Schließfach hier, in dem ich eine pinke Decke lagere, denn regelmäßig funktioniert die Heizung nicht richtig, aber in dem Kabuff ist es eh wärmer und die Luft schlechter.

Ich steige von Pianomusik auf Orgelmusik um. Letzte Woche war ich in einer Ausstellung, in der Crosby, Stills, Nash & Young gespielt wurde. Schön und doch deprimierend! Trotzdem werde ich mir mehr davon besorgen.

Der Asiate nebenan ist teurer geworden. A1 kostet nicht mehr 5 Euro, sondern 6,50 Euro. Stehe draußen im Nieselregen und warte auf das Essen. Gerade als ich beschließe, mal kurz zu heulen kommt ein Kollege aus dem Café nebenan. Nicht einmal das klappt!

Heute gibt es sieben Mal das Wort «Tod» auf der Nachrichtenwebsite. «Todesfälle gestern», «Bodybuilding bis zum Tod», «Sie hungerten sich fast zu Tode für dieses Gespräch», «Tod auf der Taufe». Dazu noch «Vor 30 Jahren starb Freddie Mercury» und ein paar reguläre Todesfälle. Später stoße ich woanders auf einen Artikel «Promis, die nach wie vor leben und schöner sind als je zuvor». Es geht los mit Eva Herman. (pp)

23. November 2021

Im Traum werde ich in Siegen-Weidenau aus dem Zug geholt und darüber informiert, dass ich coronabedingt bis zum Frühling in Siegen bleiben müsse. Mein Einwand, dass ich im Büro nur Wechselwäsche für eine Woche habe, wird ignoriert. (dl)

20. November 2021

Ich glaube, irgendwas/-wer will testen, was alles erträglich ist.
Der Österreicher an sich glaubte ja, nach Ibiza kann es nicht mehr schlimmer werden, da ist aber gerade der Test noch nicht abgeschlossen, was alles noch geht.
Herr Herbert Kickl (der Chef der Faschistischen Partei Österreichs, FPÖ) hatte ja empfohlen, am besten würden Vitamine, ein gesunder Körper und ein Wurmmittel gegen Corona helfen. Jetzt ist er selber an Corona erkrankt und seine Frau liegt mit einer Überdosis des Wurmmittels auf der Intensivstation.
Der Österreicher an sich wird auch gerne als »Schluchtenscheißer« und/oder »Fetzenschädel« bezeichnet.
Ich distanziere mich ausdrücklich von diesem Land (sc)

18. November 2021

Gestern abend habe ich den Poncho fertig gehäkelt. Ich ging nach der Arbeit los, um doch noch ein hellblaues Knäuel zu holen. War zwar nur für ein paar Maschen, aber es musste sein und es lohnte sich. Der Kragen ist spitze geworden. Und die erste Staffel von «Morning Story» habe ich parallel ziemlich gleichzeitig geschafft, bevor ich ins Bett gefallen bin. Mein Freund hat versprochen, die Fädchen zu vernähen – viel Spaß damit! Heute morgen rechnete ich aus, wieviel Wolle ich verhäkelt habe und kam auf 2000 Meter. 2 KILOMETER!!!

 

Seit Jahren habe ich ein Provisorium im linken oberen Backenzahn. Lange Zeit hieß es: Erstmal drin lassen, solange nichts wegbricht. Meine erst vor kurzem abgeschlossene Zahnzusatzversicherung steigert sich eh erst von Jahr zu Jahr. Diesen Sommer wurde die neue Zahnärztin etwas dringlicher und ich ließ mir einen Kostenvoranschlag geben und von meiner Zusatzversicherung absegnen. Unter dem Beton war mittlerweile Karies. 

 

So ließ ich mir nach meiner dritten Impfung zwei Termine bei ihr geben und landete heute morgen bei einer Inzidenz von über 350 und einem unaufgeforderten Schnelltest auf dem Zahnärztinnenstuhl. Als wir kurz über den mehr oder weniger passenden Zeitpunkt sprachen, zuckte sie mit den Schultern und meinte, das ist halt jetzt so und dass in der Praxis alle geimpft sind und sich regelmäßig testen. Ob ich eine Betäubung wünsche? Ich erinnerte mich kurz an eine größere Bohrung vor ein paar Jahren ohne, nach der ich Wochen später noch traumatisiert war, und entschied mich dafür. Damals dachte ich: Wenn meine Freundin den Krebs aushalten kann, kann ich wohl ohne Betäubung einen Zahn gebohrt bekommen. Was für eine schräge Logik! Auf dem Stuhl hatte ich unvermittelt eine Textzeile von ABBA im Ohr: «If I had to do the same again, I would, my friend ...» 

 

Mal sehen, was ich trotz hoher Inzidenz noch hinbekomme. Ich könnte meine Fertilität testen lassen. Vor der Chemotherapie habe ich Sperma einfrieren lassen und für die Kühlung zahle ich seit ein paar Jahren schlappe 20 Euro im Monat. Dabei weiß ich nicht, ob es genug Material ist, weil ich nur einmal dort war – es war einfach zu schrecklich und gar nicht geil. 

 

Trotz der katastrophalen Lage fühle ich mich gerade nicht so komplett still gestellt wie letztes Jahr.

 

Gestern am späten Abend habe ich geschaut, ob es nicht einen früheren Termin zur Impfauffrischung für W. als den bei meiner Hausärztin Mitte Dezember gibt. Ich ging auf die Doctolib-Seite der Impfzentren. Während ich zwischen den einzelnen Orten hin und her klickte, konnte ich sehen, wie sich minütlich die Termine für BioNTech weiter verschoben. Ende November – Mitte Dezember – Anfang Januar – keine Terminvergabe mehr möglich. Als ich später mit W. telefonierte erzählte er mir, dass er bereits eine Impfauffrischung am frühen Abend für nächste Woche gebucht hatte.


Man kann jetzt nur noch mehr als sonst hoffen, dass man nicht ins Krankenhaus muss – egal wegen was. (pp)

 

12. November 2021
(Berlin) Jahrelang nervt der Herr K. aus dem Nachbarhaus mich mit seiner Meinung, dass über Migration durch eine „Volksabstimmung“ entschieden werden müsse. Heute nervte er mich zur Abwechslung mit seiner Meinung, dass die Umfragewerte bzgl. der Corona-Maßnahmen nur eines bewiesen: Die Deutschen seien ganz schlimme Untertanen. (dl)
 
12. November 2021

ich halte eine laudatio in der schulaula einer kleinstadt in norddeutschland vor 170 leuten plus noch 40 menschen eines chors. hier werden heute vier verschiedene preise vergeben, die veranstaltung ist völlig überflüssig aber sehr würdevoll.

ich reise am gleichen tag nach berlin, um dort eine lesung anzumoderieren, kombiniert sind textpassagen aus w-weltraum, dem kapsel magazin und geospekulationen. es passt noch besser als ich bei der vorbereitung dachte, und wir sind alle ganz begeistert. wir sind 15 personen. wegen der seuche stehen wir im freien. es regnet leise und ist angemessen kalt.

noch später lausche ich kurz einer anderen lesung mit rund 50 gästen, die in wenigen sekunden so viele klischees von eitlen, affigen, selbstzufriedenen, dummen kulturarbeitern zur aufführung bringt, dass ich nach 4 minuten den laden wieder verlasse.

 

9. November 2021

Corona-Traum. Ich war in einem Kino, was gleichzeitig auch eine Bar war. Eine Frau mit schwarzen langen Haaren - die mich kannte, ich kannte sie nicht - trat an mich heran. Sie begrüßte mich freundlich und bat mich ihr Glasauge aufzubewahren. Ich stimmte zu und tat es zum Kleingeld in mein Portemonnaie. Dann setzte ich mich in einen roten Kinositz. Plötzlich erschien Frank Sinatra als Platzanweiser und sagte, dass ich auf diesem Platz nicht sitzen könne. Der Hubschrauber, der über dem Kino kreiste und den ich erst in diesem Moment sah (das Kino war oben offen) hatte mich im Scheinwerfer. Sinatra setzte mich ganz nach rechts an den Rand, wo ein Pfeiler mit Spiegel die Sicht auf die gigantische Leinwand versperrte. Ich wies Sinatra darauf hin, der mich abermals umsetzte, diesmal in die letzte Reihe. Jetzt überprüfte Sinatra noch, ob auch all die übrigen Gäste die Abstandsregeln befolgten und parallel rechtfertigte er sich, warum er als großer Star (es war übrigens der ganz junge Sinatra) hier als Corona Platzanweiser tätig war. Ich hörte ihm nicht zu, weil es mich nicht interessierte. Welcher Film lief wusste ich übrigens auch nicht, da ich zum Filmstart erwachte. (JB)

 

9. November 2021

(Berlin) Montag und Dienstag hatte ich frei und habe Krempel erledigt, ein Bild für eine Benefizauktion abgegeben, damit ich nicht anwesend sein muss. Auf dem Weg dorthin war ich am Friedhof bei der verstorbenen Freundin und diesmal wurde ich nicht gestört.

Die nächsten beiden Tage hatte ich ein Kratzen im Hals und blieb im Home Office. Dann war Freitag und ich ging zur Arbeit, denn ich hielt es zuhause nicht mehr aus. Dort ging es nachmittags mit der Schniefnase los und abends war ich total verrotzt. Samstag früh wollte ich sicherheitshalber einen Coronaschnelltest machen, aber bei Beiden, die ich noch hatte, waren die Teststreifen falsch aufgeklebt und man konnte die nicht selber reparieren. Ich ging in die Apotheke und kaufte drei für stolze fünf Euro pro Stück! Zuhause testete ich mich – Corona negativ, wie von mir erwartet nach drei Impfungen. Ich googelte nach der Verfügbarkeit in der Drogerie, aber die in der Nähe hatten keine, nur eine, die mir zu weit weg war, sollte welche haben. W. hatte ich zum Glück nicht richtig – mit was auch immer – angesteckt. Ich wollte mir noch ein paar Tests auf Vorrat zulegen, falls ich am Wochenende öfter rausgehe als erwartet oder doch jemanden treffe, aber drei Apotheken in Laufweite haben samstags schon am frühen Nachmittag zu. Wie soll so eine Pandemie aufgehalten werden?!

Ich blieb brav zuhause und häkelte vor mich hin. Je fertiger der Poncho wird, desto sinnloser kommt es mir vor. Ich glotzte «Midnight Mass» weiter. Als klar wird, dass der Pfarrer in der Höhle den Teufel traf und verjüngt wurde, schalte ich ab. So ein Schmarrn! Ich versuche es mit «Sex Education», schaffe es aber keine drei Folgen. Auf den Bildern der Auktion sind nur wenige Menschen zu sehen, niemand trägt eine Maske; 2G war angekündigt. Sehr viele leere Stühle und der Versuch, das zu vertuschen. Ich melde mich für das Probeabo bei Apple TV an, weil ich die Serie über den Angstgestörten sehen möchte. Hier breche ich nach Folge 4 und mehreren Gesangseinlagen ab. Sie haben eine Serie mit heißen Astronauten im Angebot, aber die Handlung langweilt mich. Ich möchte eine Proust-Verfilmung schauen, aber die ist Französisch mit Untertiteln – dazu kann ich nicht häkeln. Schaue «Sinn und Sinnlichkeit» auf Netflix.
Am dritten Tag gehe ich in die Drogerie, wo es Tests geben soll, aber es gibt keine. Beim voll besetzten Asiaten sitzen die Rentner*innen schwatzend eng beisammen, als ob nichts wäre. Zuhause entdecke ich die Serie «Morning Show» und die ist der Knaller, mal sehen, ob ich sie in der Probewoche ganz durch schaffe.

Heute morgen belege ich für die Arbeit zwei Pan Bagnats mit hart gekochtem Ei, Tunfisch, Kapern, Tomaten, Zwiebeln. Den Knoblauch lasse ich weg. (pp)

 

 

8. November 2021

(Hamburg) Ich hab jetzt einen Wal im Portfolio. Der recht kleine Fond aus den Niederlanden bietet seit November dieses Jahres ein Investment in Naturkapital/Biodiversität und spekuliert auf die angekündigten Regularien der UN zur nachhaltigen Kapitalisierung der Ozeane. Der junge Wal mit einem Asset von 4 Mio. US Dollar, wurde vor kurzem in der mexikanischen Baja California gechipt und schwimmt jetzt für die kommenden 4-6 Jahre sein ökologisches Kapital ein. Jedes Jahr erzeugt das Tier dann ein Multiple X für das Verteilen von Biomasse. Möglich wurde diese Art der Geldanlage vor allem durch die erweiterten Bereiche des Umweltschadenversicherers (USV) BlueWave der OIC, der im Falle eines Abschusses oder Kollisionsschadens, aber auch bei Frassschäden durch Haie o.ä. für Verluste aufkommt. (DS)

3. November 2021

(Berlin) Es ist abends und ich sitze im Großraumbüro. In der Bürohälfte vor mir sitzt niemand mehr, hinter mir eine Person. Leider. Denn wäre ich alleine, könnte ich meine Häkelsachen auspacken. So fühlt es sich an wie bei Nighthawks. Ich höre Chilly Gonzales «Solo Piano» und schaue durchs regennasse Fenster auf den dunklen Innenhof. Vorhin stand noch ein Trampolin für Kinder in einem Garten etwas weiter weg. Am Nachmittag dachte ich: «Mal sehen, ob es das heute wegfliegt.» Heute ist ein Sturm, über dessen Namen sich der Deutsche Wetterdienst nicht ganz einig war. Tatsächlich wehte das Trampolin ein paar Stunden später zur Seite weg, hinter ein Häuschen und ich musste laut kreischen. Geflogen ist es aber leider – oder zum Glück – nicht. Wegen des Wetters waren heute noch weniger im Büro als sonst und so hat mich also kaum jemand gehört. Dass ausgerechnet ich zur Arbeit erscheine, hätte ich nicht gedacht, aber ich hielt es zuhause nicht mehr aus, wollte unbedingt raus und bin mit der BVG gekommen. Ich mache jedes Mal einen Test vorher, wie es meine Arbeitgeberin wünscht. Wir sollen den Test möglichst kurz vorher machen. Heute stand ich deswegen wieder Mal auf dem Sockel einer Statue an der Kirchenfassade nebenan. Als ich neben dem Steinfuß mit den abgebrochenen Zehen den Krempel auspacke, komme ich mir vor wie ein Junkie.

Ich bin mittlerweile Häkel-Junkie. Ich sitze abends stundenlang und häkel ohne zu essen oder zu trinken, einfach immer weiter. Ich glaube, dass ich deshalb schon abgenommen habe. Dazu schaue ich «You better call Saul», weil ich mittlerweile zu Serien über Männer in der Midlife-Crisis übergegangen bin. Entweder ich will noch die Runde fertig machen oder eine Folge schauen – und schon ist es wieder Mitternacht. Ich bin danach komplett am Ende und schlief die letzten paar Wochen wie ein Stein. Ich trenne mittlerweile viel auf, aber nicht jeden Fehler, denn ich bin nicht unsterblich. Ich arbeite an einem Poncho, der so farbig und voluminös ist, dass ich bezweifle, dass ich den jemals außer Haus anziehe.

Gestern habe ich die Affenpalme umgetopft, die gerade sehr gut gedeiht. Auf der erneuten Suche nach Sand habe ich festgestellt, dass mein Schlüssel für den Garten hinter dem Querhaus nicht mehr funktioniert und bin deshalb zum Baumarkt gefahren. Sand gibt es nur in 25-Kilo-Säcken für den Sandkasten oder als Vogelsand. Auf dem Rückweg sehe ich auf dem Fahrradweg zwei riesige weiße Farbflecken vor mir und denke: Ah, da war wohl auch jemand im Baumarkt. Und als ich drüber fahre stelle ich fest, dass die Farbe nicht trocken ist und spritzt. Also habe ich nach dem Umtopfen – hoffentlich übersteht das Pälmchen es – Farbspritzer vom Rad gewaschen und noch ein paar Runden gehäkelt zum Frustabbau. (pp)

3. November 2021

(fdb), Hamburg

27. Oktober 2021

(Hamburg)
pause von den fsj-lern vorm seemannsheim. die sind anstrengend. jedes jahr das gleiche. alles muss man erklären, sogar kaffee kochen. dem schülerpraktikant, der auch noch dabei ist, wurde jetzt sogar kaffeestop erteilt. der ist eh schon so aufgeweckt mit 14, ein kaffee pro tag, mehr nicht. ein weisser kastenwagen mit frankfurter kennzeichen parkt ein. ein vollbärtiger typ steigt aus und kommt direkt, ein bein nachziehend, auf uns zu und motzt: „so ein leben will ich auch mal haben, habt ihr nichts zu tun!“ er will wissen, was das seemannsheim ist und ob die nutten mit auf's zimmer dürfen. wir weisen auf das schild über der tür, da steht: christliche seefahrt. hier kommen nur fahrende seeleute unter, keine vergnügungssüchtigen kapitäne. er war vor 20 jahren bei der marine. jaja, die marine. da lachen die seeleute von den kontainerschiffen drüber, das ist ja wie kreuzfahrt. nene, vor zwanzig jahren waren das noch dreierbetten mit 18 mann in einer kabine ... das hat gestunken in der karibik bei 50 grad. er will jetzt gleich die tauben vom hochhaus gegenüber abholen. sein job ist die im taunus wieder auszuwildern. die entfernung reicht für die stadtviecher, von dort finden die nicht zurück. (mit einer brieftaube ginge das nicht). „wollt ihr n bier?“ ist viel zu früh und er hätte mal lieber einen äppelwoi mitbringen können frotzeln wir. während der typ sich ein felsenbräu aus einem halbleeren kasten von seiner pritsche zieht, schichtet er gleichzeitig tauben von eurobehälter zu eurobehälter. schlurft wieder zu uns rüber und hält uns ein vergilbtes plastikfläschchen hin. bitte nicht so nah. von dem typ kommt bestimmt die nächste zoonose in umlauf. taube, bier, taunus, frankfurt-hamburg und wo er sonst noch rumjaucht. „ist anis, die stehen drauf, alle viecher!“ erklärt er den inhalt des fläschchens. er lockt damit die tauben in die fallen. angeblich steht auch mal ein hirsch am taubenschlag und reibt sich. auf dem weg zum Kristall Tower dreht er sich noch einmal um: „nächstes mal bringe ich euch ne flasche mit!“ (sr)

21. Oktober 2021

(fdb)

21. Oktober 2021

(fdb)

19. Oktober 2021

der räuber gab sich als kammerjäger aus und komplementierte tochter und vater auf den balkon hinaus, nur für einen halbe stunde, dann wäre das gröbste getan, es sei schließlich ungesund. nach ablauf der 30 minuten ist kein mensch mehr in der wohnung, kein räuber und kein kammerjäger, aber der tresor ist weg - warum gibt es tragbare tresore? - egal. man stelle sich nun die frustration des räubers vor, der den tresor öffnet und darin befinden sich neben einer goldenen uhr mehrere bundesverdienstkreuze. (nor)

18. Oktober 2021

(Berlin)
Ich sitze seit seit ein paar Wochen erstmals wieder im Büro. Ich kam zu spät. Deswegen habe ich erstmal auf dem am Eingang ausliegenden Selbsttest großzügig verzichtet. Allerdings blöd, dass der Personaler gleich sein Büro in der Nähe hat und meine Zögerlichkeit gesehen hat. Außerdem fühlte ich mich unwohl, obwohl in der Liste der entnommenen Tests weit weniger Namen standen als Leute anwesend sind, d. h. entweder haben sie sich außerhalb getestet oder sie sind ungetestet. In der Mittagspause war ich deshalb schnell in einem Coronaladen und es war Gottseidank nichts. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, es sich dort zu holen bestimmt sehr hoch. Aber egal. Bei der Arbeit steht das Buch eines Schiedsrichters bei mir in der Nähe im Regal: «Ich pfeife auf den Tod!»

Ich war bei meinen Eltern, ganze zehn Tage lang. Nach ein paar Tagen schaute ich, ob es frühere Züge gibt und überlegte, wie ich aus der Nummer raus komme, aber dieser Wunsch ließ schnell nach. Ich fand alte Wolle und fing an zu häkeln, während meine Eltern vor dem Fernseher schliefen. Oder auch mal zwischendrin zum Stressabbau. Eine Jacke wurde es oder besser: ein Fetzen in Granny Square-Technik. Ich häkele noch an den Bündchen. Das Tragen macht Spaß und ich fühle mich meiner Mutter nahe, wenn ich das Teil anhabe. Es ist fürs Büro gedacht, weil es hier gerne mal kalt ist.

Mit meinem Vater machte ich Fahrradtouren und eine zeichnete ich in der Komoot-App auf. Mit meinem Bruder schaute ich zwei Filme, einer davon war «Lang lebe Ned Devine». Danach spielte ich gleich Lotto auf dem Handy – ich habe nichts gewonnen.

Einen Film schauten wir am letzten Abend und danach häkelte ich einfach ein bisschen in meinem Zimmer weiter; ich hatte keine Lust nach unten zu gehen und meine Eltern beim Schlafen vor dem Fernseher zu beobachten. Als sie später hoch kamen meinte meine Mutter, wo ich gewesen sei, sie hätten auf mich gewartet.

Am nächsten Tag fuhren sie mich zum Bus, denn der Bahnhof, wo ich immer aussteige, war in der Gegenrichtung gesperrt und zum anderen Bahnhof will mein Vater nicht mehr fahren, weil sich an den Fahrradspuren was verändert hat und ihm das zu blöd ist. 

Als wir hinterher telefonieren, höre ich nicht wie sonst, wie schön es war, dass ich da war und dass bald wieder kommen soll. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein und sie hat es gesagt. Es war diesmal anstrengender als sonst – für alle. Es gab einiges zu erledigen, von dem meine Mutter entweder meint, dass es nicht zu erledigen sei oder sie es nicht machen will oder sie es einfach nicht mehr machen kann, weil ihr irgendwas weh tut.

Ich fing dort an, ein Buch über «Befreiung von Schuld und Scham» zu lesen, als EBook von der öffentlichen Bibliothek ausgeliehen. Heute morgen lass ich als Anzeige auf dem Handy in aller Eile: «Schuld und Scham verfällt in Kürze».  (pp)

26. September 2021

(Hamburg / Berlin) Der noroomgalerist trägt während des "Kultursommers" die "Asphalt-Fashion“ der Modekünstlerin Gloria Brillowska (txm))

24. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Versicherungswerbung für die „Sterbevorsorge Komfort mit Flex-Option“
(Heute ist schlecht) (pp)

16. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Mit meiner schwer an Demenz erkrankten Schwester im Restaurant. Sie steht manchmal unvermittelt auf und läuft herum. Sie spricht schon lange nicht mehr mit mir, sondern zu einer Puppe, die offenbar aus den Tiefen der Kindheit zu ihr fand. Sie kann nicht mehr mit Messer und Gabel essen, also füttere ich sie. Sie isst gerne. Sie reagiert positiv auf Geruch und Geschmack. Und auf meine Anwesenheit, auch wenn sie nicht mehr weiß, dass ich ihr Bruder bin. Sie ist meist ganz ruhig in einer Welt, die sie maßlos überfordern muss. Eine Frau kommt zu uns an den Tisch, um mitzuteilen, dass wir ihren Hochzeitstag ruiniert haben. Auf den sie sich so gefreut habe. Sie ist ganz außer sich, dass wir nicht in unseren „privaten Räumen“ geblieben sind, wo wir niemanden durch unseren Anblick „stören“. Das müsse doch nicht sein. Wir seien doch nicht alleine auf der Welt. Ich bin müde und sage ihr, ich sei froh, dass ihr Auftritt meine Schwester nicht erreiche. Tatsächlich habe ich Angst, dass sie die vergiftete Stimmung eben doch spürt. (dl)

13. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Es ist soweit: Ich habe mir nicht nur überlegt, wieder im Büro zu arbeiten, sondern tue es tatsächlich. Letzte Woche gab es einen Umtrunk der Firma im Park, da habe ich noch allen erzählt, dass ich schon gar nicht mehr darüber nachdenke, wieder vom Büro aus zu arbeiten. Ein paar Tage später packte mich aber die seltsame Vorahnung, dass ich, wenn ich es nicht bald doch tue, es vielleicht nie wieder schaffe, sondern wenn es mal soweit ist, Panikattacken oder noch ganz andere Macken bekomme.

Bei uns muss man sich, wenn man denn kommen will, in eine Excel-Tabelle für den jeweiligen Tag für einen ganz bestimmten Tisch eintragen, so ähnlich wie bei der Sitzplatzreservierung bei der Bahn. Letzte Woche war für heute noch so viel frei, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte, wo der beste Platz für mich ist. Gestern abend war die Liste bis auf einen Platz komplett voll und meine Entscheidung wurde mir abgenommen.

Ich habe nur so halb gut geschlafen und auch daran gedacht, ob es nötig ist, einen Test zu machen. Heute morgen habe ich mir einen Salat in eine Tupperdose geschnippelt, denn die Kantine, die wir immer benutzen konnten, hat mittlerweile dicht gemacht und wird nicht mehr aufmachen. Rechner, Mouse, Ladekabel zusammen mit einem Pullover und Jäckchen – bei uns ist es oft recht kalt – in den Rucksack gestopft und los mit dem Fahrrad.

Ich hatte der Büroassistenz am Morgen noch schnell geschrieben und sie antwortete mir, dass man nicht offiziell einen Test braucht, dass man aber einen Schnelltest am Eingang machen kann. Also eher ein Gebot, an das ich mich besser halte. Ich halte auf dem Weg an einem Covid-Pavillon auf dem Bürgersteig und mache den lieber gleich dort, denn ich habe noch nie einen Schnelltest selber gemacht. Bis ich vor dem Büro angekommen bin, ist das Ergebnis da: negativ, puh. Ein Test ist jedes Mal ein bisschen Stress für mich.

Meine Einlasskarte funktioniert nicht mehr; zum Glück nimmt mich eine Kollegin mit rein. Drinnen bekomme ich eine neue Karte. Mein Tisch ist hinter einem kleinen Regal, das glaube ich noch nicht da war, als ich das letzte Mal hier gearbeitet habe, also vor über zwei Jahren. Ich stelle meinen mitgebrachten Kram auf und das WLAN läuft sofort. Ein Monitor steht auch hier, zuhause bin ich immer zu faul, den anzuschließen. Ich überlege mir, wo ich hingehe, wenn wir Konferenz haben und entscheide mich für eine Telefonkabine. Ich frage sicherheitshalber nochmal nach und meine Entscheidung war richtig. Ich muss mich auch dafür eintragen, damit niemand anderes diese Kabine mehr benutzt. Ich hoffe, dass sie niemand mal kurz zwischendurch benutzt hat, ohne sich einzutragen. Und halte gleichzeitig diese Befürchtung für etwas übertrieben. Ich konnte die Kabine nicht richtig beobachten, weil sie hinter einer Säule liegt, aber ich denke, es war mindestens eine Stunde vorher niemand drin. Es wird ein Investitionsantrag gestellt, damit ich ein Headset bekomme, dann kann ich auch im Großraumbüro bleiben zum konferieren.

Ich gehe den Stapel Ankündigungspost durch und beschließe alles, auf dem 2020 steht, sofort wegzuschmeißen. Ich suche mir Tische für morgen und Montag aus und reserviere sie.
(pp)

2. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Sprachnachricht vom 2. September 2021 um 19:00 
«Ich hasse ja Sprachnachrichten eigentlich, aber ich muss es jetzt einfach rausbrüllen. Ich bin zu Françoise gefahren. Ich gehe den Berg hoch und laufe prompt in ein Kamerateam, die natürlich am Grab von Rio Reiser rumfilmen und irgendwas über ein Pärchen im mittleren Alter machen.
«Ja und die Gebrüder Grimm, die liegen doch hier auch irgendwo?» sagt jemand von denen.
Ich denke mir: Scheiß auf die, ihr müsst Françoise filmen, sage aber nichts, gehe weiter zum Grab und beobachte sie. Dann kommen sie hoch und die Producerin sagt: «So, jetzt gehen wir hoch und links» und ich denke mir: Jaja, jetzt kommen sie zum wichtigen Teil.
Es schaut dann aber doch nicht so aus und ich rufe ihnen zu: «Hallo, hier liegt Françoise Cactus, die müsst ihr filmen!»
«Ach ja, was, Françoise?»
Die Portraitierte und der Typ kommen her und sie so: «Oh, yeah, she was a funny one.»
Ich dann nochmal zur Producerin: «Hallo, hier das Grab von Françoise!»
«Ach ja, echt, jaja, es müsste so ein halbes Jahr her sein.»
«Ja, die müsst ihr filmen.»
«Hmm, hmm …» und sie winkt ab, die blöde Kuh. Ich kotze!
Ich hab sie gefragt, was sie überhaupt filmen.
«Wir portraitieren ja diese beiden Bartender.»
«Für arte?»
«Nee, nee, für ‘ne App.»
Ich hab aber schon gemerkt, dass sie nichts erzählen will und hatte auch keinen Bock drauf. Es macht mich nur aggressiv, weil Françoise bestimmt Tausende von Euro in deren scheiß Bars versenkt hat und jetzt nichtmal in diesem blöden Feature vorkommt. Aber wer weiß, es ist vielleicht besser so. Alright, ich beende meine Rants hier. Bis später, ciao!»

Sprachnachricht vom 2. September um 19.01
«Ich stelle mir gerade vor, wie sich Françoise mit diesen beiden Trantüten vor zehn oder zwanzig Jahren in einer Bar mal angelegt hat und sie zum Teufel geschickt hat. [Lachen] Ciao!»
(pp)

30. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Oberpräsident*in (fn)

28. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Nachdem ich «Hard-boiled Hard Luck», «Erinnerungen aus der Sackgasse», «Lebensgeister», «Sly»,  «Kitchen», «Eidechse», «N•P»,«Der See» und «Federkleid» gelesen hatte und gerade dabei war «Ihre Nacht» zu lesen, erschien mir Banana Yoshimoto diese Woche nun im Traum.
Ich hatte eines ihrer Merchandising-Amulette gekauft und sie sagte zu mir: «Hör auf damit – es reicht jetzt!»
Ich tat wie befohlen und werde den Rest ungelesen zurückgeben.
Ich lese jetzt «Nachsommer» von Adalbert Stifter. Das Buch wurde mir vor einiger Zeit schon als Midlife-Crisis-Roman empfohlen.
(pp)

25. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Vielleicht sollte ich mir einen weiteren Nebenjob suchen.
Vielleicht sollte ich nicht eine Woche krank sein um kein Geld in der Kita zu verdienen.
Vielleicht sollte ich mich nicht ausruhen, weil ich meine Regel habe.
Vielleicht sollte ich nicht diesen heutigen Vormittag dazu genutzt haben um
Aufzuräumen
Zu saugen
Zu spülen obwohl M gesagt hat, mach das alles nicht, bitte
Zu merken, dass ich es manchmal aber trotzdem machen will
Zu merken, dass saugen mich verrückt macht (laut, nervig)
Zu überlegen ob das besser wäre, es M machen zu lassen
Zu überlegen ob man nicht auch einfach mal zu Hause sein darf
Zu überlegen ob es ok ist, auf keinen Fall eine Putzkraft haben zu wollen
Zu überlegen ob das ein Arbeiterklassending ist
Bei ebay Kleinanzeigen nach grünen Schnürschuhen für L zu suchen
Bei ebay Kleinanzeigen nach Herbstschuhen zu suchen
Bei ebay Kleinanzeigen nach Gummistiefeln zu suchen
Zu sitzen und einen Fencheltee zu trinken und kurz die Rückenschmerzen spüren
Wäsche zu waschen
Ls Sneakers doch wegzuschmeißen
Radio zu hören wegen Charlie Watts (Tod)
Meine Finanzen zu checken
Zu überlegen, wie ich das Festival am Wochenende fotografiere
Zu überlegen, wie ich das finde am Wochenende auf ein Festival zu fahren, weil es regnen wird
H schreiben wegen des offenen Briefes an die Bundesregierung, wegen Afghanistan
Kitakolleginnen einzuladen zu Hayatos Tisch (Planten un Bloomen, bald)
Zu überlegen, was für eine Art Nebenjob ich machen könnte neben Kunst, Schreiben, Lehrauftrag, Kitajob und Leben
L zum Balettprobetraining anmelden, wo er heute unbedingt hinwill
Ls Sachen aus der Wohnung in sein Zimmer zu bringen und das nicht aufräumen
Zu überlegen wie diese lange Reise nächstes Jahr wohl wird
Zu überlegen ob wir doch noch die Maus haben, weil Köttel gesehen
Zu überlegen, was ich esse
Zu überlegen, ob wir L nächstes Jahr einen neuen oder gebrauchten Schulranzen kaufen
Zu überlegen, was Risiko ist und was Notwendigkeit
Zu überlegen, was ich mit den Bildern von der IAA mache
Zu überlegen, ob das einfacher wäre, wenn ich Budget für diese Bilder hätte (ja)
Zu fühlen, was es für ein großes Glück ist, L jeden Tag zu sehen, zu SEHEN
Zu fragen, warum es meiner Mama so schwer fällt mich zu SEHEN
Zu überlegen, wen ich im September wähle
Zu überlegen, ob ich Aktivistin sein sollte, wegen Afghanistan und Klimawandel
Zu überlegen, ob nicht Enissa Amani die korrekte Bundeskanzlerin wäre
Zu überlegen, ob ich jetzt für die Lesung im September übe
Zu überlegen, ob ich jetzt Perecs „Träume von Räumen“ lese
Zu überlegen ob das schon jetzt meine Kunst ist
Zu überlegen ob das Biografische, das IMMER in der Kunst steckt, verdeckt werden sollte
Zu überlegen ob das die Künstler*innen schützt
Zu überlegen vor wem man sich überhaupt schützen muss
(js)

17. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Dänemark)
In Dk gibt es keine Maskenpflicht, aber alle Hunde werden hier an der Leine geführt, auch im Wasser. Die Leinen sind viele Meter lang: Frau steht mit angeleintem Hund im tiefen Wasser. Hund schwimmt richtung Land erreicht den Strand aber nicht, weil die Leine nun doch zu kurz ist. Hund schwimmt an der gespannten Leine auf der Stelle, während die Frau das Abendlicht überm Meer bewundert. (nor)

15. August 2021

Rahel Bruns, Wagentourette

11. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Zürich)
Beim Aufwachen kurze Irritation: Bunte Farben, Spielzeug, Kuscheltiere. Die kleine L. schläft bei den Eltern und hat mir freundlicherweise ihr Bett überlassen. Wir sind in Zürich, wo gestern R.s letzter Kindergeburtstag war und die Feier im Park wie üblich in ein Grillfest der Kulturschaffenden überging. Das Gespräch bei sehr dunklen Würstchen und Schaumwein ging unter Anderem um Faszination und Schrecken der Luftfahrt. Jetzt ist früher Morgen, alle schlafen noch, nur ich liege wach, etwas dehydriert und mit leichtem Druck im Kopf. Ich trinke reichlich Wasser, dusche, räume die Kuscheltiere mit ihren toten Augen beiseite und lege mich wieder hin. Nach einer Weile Dösen denke ich schade, das wird nichts mehr, ich sollte besser aufstehen. Aber dann sehe ich den Schlaf, er ist schon ganz nah. Im Sinkflug geht es in die Wolken, das Kopfweh ist weg, um mich nur noch flauschiges Weiß.
Mittags wollen die frischgebackenen Teenager (N. ist auch kürzlich 13 geworden) Muffins backen. Dazu heizen sie den Ofen auf Maximaltemperatur vor und rühren »nach Gefühl« wahllos Zutaten zu einer klumpigen, sehr flüssigen Pampe, die in Förmchen gegossen und gebacken wird, ebenfalls nach Gefühl. Das Ergebnis ist perfekt, innen wunderbar locker und außen mit einer leicht karamellisierten Kruste, in den Varianten »Schoko« und »Pizza«. N. verrät mir das Geheimnis dieses Erfolgs: Sehr wenig Mehl, dafür mehrere Päckchen Backpulver. (ow)

 

3. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Klintholm)
Der stolze Besitzer einer sehr großen Motoryacht lärmt im Hafen mit seinem Statussymbol herum. Geräuschvoll öffnet sich langsam die Heckklappe zu einer Art Garage für ein kleineres Motorboot, das nun aus dem Bauch oder besser Arsch des Mutterschiffs, auf krachenden und knarrenden Rollen, herausbefördert wird, begleitet von hochtourigem Sirren und Brummen der Elektronik. Nach 20 minütiger Ausfahrt, wird das Beiboot mit eben solchem langwierigen Getöse wieder dem großen Schiff einverleibt. Das große Schiff heißt: Sea Whisperer. (nor)

15. April 2021

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