Wir kommen gerade aus Lateinamerika. Kolumbien genauer gesagt. Scheiß Kolumbien.
Da lobt man sich schon so eine erholsame Woche an einem hübschen Benajarafe-Strand.
Ausschlafen, vom Hügel aufs Meer schauen, sich in der Favela-Baracke
Espresso kochen, den man gemütlich am Tisch unter dem Olivenbaum zu sich
nehmen kann.
Alles im Gleichgewicht also, bis M. plötzlich am dritten Ferientag mit
einer Begleitung vom Hundefüttern zurückkommt. "Ich glaube,
er ist heute morgen mit dem Schiff angekommen."
Der Typ hält mir die Hand hin. "Tag ... Hallo, wie geht's? ... Ich
bin Yussuf ... Du hast eine schöne Schwester."
Ich denke, dass ich so was schon mal gar nicht abkann: Wenn jemand M. als
meine Schwester bezeichnet. M. nötigt mich, aus dem Französischen
zu übersetzen. Das mit der Schwester behalte ich für mich. "Ich
bin aus der Nähe von Casablanca." Er sagte einen Namen. "Wir
haben 30 Stunden gebraucht ... Ich will nach Italien."
30 Stunden, denke ich. Schöne Scheiße. "Italien ist aber ziemlich
weit", erwidere ich vorsichtig. "In Italien habe ich Freunde. Da
kann ich arbeiten."
Yussuf geht sich duschen. Unter dem Gartenschlauch. Ich denke nach. Eigentlich
wollte ich zum Strand runtergehen und ein bisschen arbeiten. Ein Hörspiel
für Radio Bremen. Aber ich kann M. und ihre Mama jetzt schließlich nicht
allein lassen. Ein bisschen schlecht gelaunt sage ich mir vor, dass ich nicht
so egoman sein soll...
Raul Zelik wurde 1968 in München geboren. Er lebt nach mehreren Lateinamerika-Aufenthalten seit 1989 als freier Autor in Berlin.
Pressestimmen: Textem
in den Medien
Raul Zelik: Ein Ausflug an der Costa del Sol, 2,50 Euro, Textem-Verlag 2004, ISBN 3-938801-05-0 Bestellen